
Glaubst du, man kann sich innerhalb von einer Stunde selbst finden und lieben lernen?
Nein? Glaube ich auch nicht ^^ Lass dir deswegen beim Durchführen dieser Übung genug Zeit. Der Blogpost ist ja ein klein wenig lang geworden.. Aber keine Angst. ^^ Der lange Text besteht nicht nur aus Übungen, sondern auch aus vielen Erklärungen und eigenen Beispielen zur Veranschaulichung. Wenn du merkst, es ist zuviel für einen Tag, dann verteile die einzelnen Schritte einfach auf mehrere Tage.
Ich selbst mache diese Übung nach und nach mit allen meinen Glaubenssätzen und lasse mir dafür mehrere Wochen, wenn nicht sogar Monate Zeit. Denn das was man dabei lernt, muss ja auch verinnerlicht werden.
Liebe dich endlich selbst!
So lange habe ich andere von Selbstfindung und Selbstliebe sprechen hören. Man solle sich selbst nehmen wie man ist, man solle sich lieben, mit all seinen Schwächen und Fehlern. Bei solchen Sprüchen dachte ich mir immer nur: Was zum Teufel sollen mir diese Sprüche bringen, wenn ich einfach keine Liebe zu mir selbst FÜHLE? Sagt mir lieber wie ich das LERNEN kann, anstatt mir zu sagen, dass ich es TUN soll. Das ist als würde man einem Kind sagen, es soll endlich anfangen zu lesen, obwohl es doch gar nicht weiß, wie lesen geht.
Ich denke tatsächlich, dass Selbstliebe gelernt werden muss. Man muss sie einem Kind vorleben, beibringen, auf irgendeinem Weg vermitteln, genau wie das Lesen und Schreiben. Da das so vielen Kindern nicht vermittelt wurde, fehlt sehr sehr vielen Menschen die Liebe zu sich selbst.
Und wenn man es als Kind nicht gelernt hat, muss man es sich als Erwachsener eben selbst beibringen. Nach langer Suche und Selbsterprobung habe ich endlich einen Weg gefunden, Selbstfindung, Selbstakzeptanz und Selbstliebe zu erlernen.
Was ist Selbsterkenntnis überhaupt?
Ich erkläre euch mal, was Selbsterkenntnis für mich bedeutet.
Erst wenn man akzeptiert, wer man ist, kann man sich selbst lieben.
Um aber zu akzeptieren, wer man ist, muss man erst mal wissen, wer man ist.
Das ist ein Zwischenschritt, den viele nicht bedenken. Welche Eigenschaften habe ich? Auf welche bin ich stolz und bei welchen tue ich so, als hätte ich sie nicht, damit man mich weiterhin mag? Welche Meinung vertrete ich? Traue ich mich sie zu sagen, stehe ich hinter ihr oder habe ich Angst, dass andere anderer Meinung sind?
Einfluss auf das Selbstbewusstsein
Wenn man sich selbst ganz genau kennt, weiß wer man ist, wie man ist, was man tun möchte, wofür man einsteht und lebt, welche Meinung man vertritt, dann ist man selbstbewusst. Man ist sich über sein eigenes Selbst bewusst. Und das hat insofern mit der allgemein bekannten Bedeutung von „Selbstbewusstsein“ zu tun, da man dann nicht mehr so leicht verunsichert werden kann. Man ist selbstsicher, stark und sorgenlos im Umgang mit anderen.
// Beispiel:
Als Kind war ich manchmal faul. Andere haben jedoch versucht, mich zu verändern und mich zu beeinflussen. Ich habe gelernt, dass ich manche Eigenschaften und Verhaltensweisen nicht an den Tag legen darf. Und ich habe gelernt, diese Eigenschaften und Verhaltensweisen selbst zu verurteilen. Ich dachte: Ich darf nicht faul sein, faul sein ist schlecht (Glaubenssatz), ich bin nicht faul.
Ich wollte also nicht, dass andere denken, ich hätte diese Eigenschaft und ich wollte es mir selbst nicht eingestehen.
- Da ich nicht faul sein wollte und nicht wollte, dass andere mich für faul hielten, habe ich so getan als wäre ich nie faul. -> Keine Selbsterkenntnis, kein Selbstbewusstsein
- Wenn mich trotzdem jemand für faul hielt, habe ich mich irgendwie schlecht gefühlt (sowas nennt man auch Scham!) und wollte das „verhindern“. Außerdem hab ich mich selbst dafür verurteilt, wenn ich mal faul war. –> Keine Selbstakzeptanz und Selbstliebe //
Glaubenssätze können also sogar dazu führen, dass wir uns für diese Eigenschaften schämen, wenn sie doch mal „sichtbar“ werden. Durch diese Übung wirst du dich also auch seltener schämen, da du akzeptierst, wer du bist.
So wie wir als Kinder sind, sind wir ein wunderschönes, fertiges Puzzle. Die Gesellschaft sagt uns, welche Puzzleteile wir entfernen müssen, um „perfekt“ zu sein. Dabei sind wir doch längst perfekt. Und indem wir uns anpassen, zerstören wir unsere Vollkommenheit, unser wahres, ganzes ICH.
Es ist uns wichtig, dass unsere Familie uns für fleissig, klug und höflich hält. Weil wir bestimmte Glaubenssätze haben, die uns eintrichtern wollen, dass wir ohne diese Eigenschaften nicht gemocht werden. Oder nichts wert sind (in den Augen der Gesellschaft, der Familie..). Wir denken, wir brauchen Liebe, Anerkennung und Stolz von anderen, um glücklich sein zu können, um wertvoll zu sein. Aber das stimmt nicht. Wir brauchen gar nichts, um wertvoll zu sein.
Selbsterkenntnis und Glaubenssätze
Dieses Video von Anastasjia Louise ist ein guter Einstieg in die Thematik „Selbsterkenntnis/Selbstfindung“. Sie erklärt mit so einfachen, verständlichen Worten, was eigentlich das Problem ist und ist dabei so motivierend, inspirierend und hach ich liebe Anastasjia einfach <3
„Sometimes we get mixed up with who we are and who other people want us to be and what we’ve learnt while growing up […].
As soon as we are brought into this earth, we are taught things. We are basically moulded into what our parents want, what our teachers want, what our family and society want. We are constantly being told not to do this, to do this, to be this way, to not be this way. We are constantly fed information and we’re taking it all in.
I’ve come to realize within the last few months that a lot of the things I believe in and the feelings that I feel and the way that I perceive things, the way that I do things, say things, a lot of them I have picked up from people in my life and those things aren’t mine, I’ve just picked them up, I learned them since I was a baby […].“
Schritt 1: Identifiziere deine (Lebens-) Regeln/ Wertmaßstäbe
Was wollten deine Eltern, Großeltern, Familienmitglieder, Lehrer, Klassenkameraden oder die Gesellschaft allgemein von dir? Wie solltest du sein und was solltest du tun? Und was davon hast du übernommen, ohne zu wissen, ob es wirklich dein Wertmaßstab ist?
Schreib alles auf was dir einfällt, was du dir selbst auferlegst zu sein oder zu tun.
Wahrscheinlich werden dir nicht sofort alle Regeln einfallen, aber mit der Zeit fällt einem immer mehr auf. Folgenden Zusammenhang habe ich erst heute realisiert.
// Beispiel zur Entstehung von Glaubenssätzen
Mein Großvater wollte immer, dass ich wie ein Engel auf Erden bin. Stets höflich, lieb, zuvorkommend, niemals „unverschämt“, niemals wütend, geschweige denn laut werden gegenüber meinen Eltern. Er hatte das Bild des „kleinen Lords“ im Kopf (einer seiner Lieblingsbücher), der durch seine engelsähnliche Art das Herz seines griesgrämigen Großvaters erweichte. Und weil mein Bruder und ich nicht der kleine Lord waren, hat er uns verachtet.
Jahrelang habe ich mich dafür geschämt, wenn ich während eines Streits mit meinen Eltern laut wurde und hatte immer das Gefühl, ein ganz schlimmer Mensch zu sein, wenn ich das tue. Und erst in letzter Zeit realisiere ich, wie sehr mich seine Erwartung geprägt hat: Denn unter „Erwachsenen“ habe ich noch heute den Drang, unendlich freundlich zu sein, unendlich höflich und wie der beste Mensch der Welt rüberzukommen. Ich traue mich nicht, richtige Emotionen wie Ärger zu zeigen. Oh mann.. Wie es mir wie Schuppen von den Augen fällt.. Egal ob es ein Chef ist, die Eltern eines festen Freundes, die Eltern einer Freundin, meine Onkel und Tanten, die Therapeutin, sogar der Busfahrer. Ich muss perfekt sein, sie dürfen mich auf keinen Fall unfreundlich oder unhöflich finden. Das Gefühl ist beklemmend.. nicht loslassen zu dürfen, nicht einfach sein zu können wie ich bin. Kein Wunder war es jedes mal extrem anstrengend für mich, irgendwelche Familien zu besuchen. Die Anspannung und die Anforderung an mich selbst, perfekt zu sein, ist kaum auszuhalten.
Die „Regel“, die mein Großvater mir mitgegeben hat, ist folgende:
Ich muss gegenüber Menschen, die älter sind als ich, äußersten Respekt zeigen, immer höflich und nett sein, nie die Stimme erheben, nie Wut oder Ärger zeigen, ich muss sehr bescheiden sein, ein Engel sein. //
// Meine „Regeln“
- Ich darf nicht faul sein. Ich muss auch so fleissig sein wie meine Eltern und mein Bruder, in der Arbeit fehlen ist nicht ok und mehrere Monate arbeitslos sein geht GAR NICHT. Eine Pause machen, Zeit für Erholung ist nicht gut, das ist schwach. Ich muss klug sein. Ich darf kein Tollpatsch sein.
- Ich darf keine Zicke sein, man darf mir meine Probleme, meine Schwächen nicht ansehen, z.B. Unsicherheit, Aufgeregtsein, ich darf nicht richtig wütend werden (jähzornig). Ich darf niemals lügen. Ich darf keine „Schlampe“ sein. Ich darf nicht schüchtern sein. Ich muss schön und schlank sein um bemerkt zu werden.
- Ich muss ordentlich und sauber sein, besonders weil ich ein Mädchen bin. Gute Noten sind wichtig. Ich muss immer schön lernen, damit ich ein besseres Leben habe als meine Eltern. Ich darf Prüfungen nicht auf die leichte Schulter nehmen. Ich darf meine Stimme gegenüber meinen Eltern oder anderen älteren Menschen nicht erheben. Ich muss immer Respekt gegenüber „Erwachsenen“ zeigen. Ich darf nicht verwöhnt sein und ich muss zu schätzen wissen, was ich habe. Ich muss bescheiden, immer höflich und nett, ein „Engel“ sein. Ich muss in der Arbeit um alles in der Welt pünktlich sein. //
?
Schritt 2: Identifiziere deine Glaubenssätze.
Unsere Regeln haben wir also zu einem großen Teil aus unserer Umwelt übernommen. Sie wurden uns durch Eltern, Großeltern, Onkel und Tanten, Lehrern, Freunden und der Gesellschaft eingeflößt. Diese Regeln haben wir aber nicht zum Spaß übernommen, sondern weil wir das Gefühl hatten, es tun zu müssen, um beispielsweise geliebt und geschätzt zu werden. Wir glauben (-> Glaubenssatz), dass wir nur liebenswert sind, wenn wir die Regeln auch einhalten.
Mit der Zeit haben wir uns etliche Glaubenssätze angeeignet, die zum Teil hilfreich sind, die uns aber auch von einem glücklichen und freien Leben abhalten können. Diese kannst du identifizieren indem du eine deiner Regeln nimmst und dahinter ein „weil“ hängst.
// Zwei Beispiele:
- Regel: Ich muss gegenüber Menschen, die älter sind als ich, äußersten Respekt zeigen, immer höflich und nett sein, nie die Stimme erheben, nie Wut oder Ärger zeigen, ich muss sehr bescheiden sein, ein Engel sein, weil…? …ich sonst nicht liebenswert, nicht gut genug bin. Ich muss perfekt sein um gemocht zu werden.
- Glaubenssatz: Ich glaube, ich muss immer höflich, nett, bescheiden, ein Engel sein und nie Ärger zeigen, perfekt sein, um gemocht zu werden.
- Regel: Ich darf nicht faul sein. Ich muss auch so fleissig sein wie meine Eltern und mein Bruder, in der Arbeit fehlen ist nicht ok und mehrere Monate arbeitslos sein geht GAR NICHT, weil…? …meine Familie sonst enttäuscht von mir ist, ich keinen Stolz und Anerkennung von ihnen bekomme und somit auch nicht selbst auf mich stolz sein kann.
- Glaubenssatz: Ich glaube, ich muss meine Familie stolz machen (schon allein DAS ist ein falscher Glaubenssatz. Du musst deine Familie nicht stolz machen!!!), indem ich fleissig und diszipliniert bin. Ansonsten bin ich für sie eine Enttäuschung und ein gescheiterter Mensch. //
Jetzt kannst du die Liste mit deinen Lebensregeln herauskramen und dir aufschreiben, warum du nach dieser Regel lebst oder versuchst, danach zu leben.
Tipp:
Beobachte genau die Situationen, die dir unangenehm sind, in denen du dich schämst und dich am liebsten verstecken willst. z.B.: Ich schäme mich, weil ich als Einzige eine Prüfung nicht bestanden habe. Oder ich schäme mich, weil ich gemobbt werde und erzähle es niemandem.
Oft schämt man sich, weil man eine Facette von sich verstecken will. Man wehrt einen bestimmten Teil von sich ab und oft steckt hinter dieser Abwehr ein Glaubenssatz. Vielleicht möchtest du nicht zugeben, dass man sich über dich lustig macht, weil du glaubst, dass Menschen, über die man sich lustig macht, komisch und nicht liebenswert sind. Und du möchtest nicht als komisch und nicht-liebenswert angesehen werden.
!!!
Wir müssen endlich verstehen, dass wir GAR NICHTS sein müssen, um gemocht zu werden. Denn die, die uns nur dann mögen, wenn wir diese und jene Eigenschaft haben, passen nicht zu uns, gehören nicht zu uns und haben in unserem Leben nichts zu suchen! Sich das zu verinnerlichen, ist einer der wichtigsten Schritte um sich selbst zu finden, zu akzeptieren und zu lieben!
Ich hoffe, es ist klar geworden, wie Glaubenssätze uns negativ beeinflussen und uns sogar dazu bringen können, uns zu schämen.
Schritt 3 – Es gibt keine objektive Wahrheit
Such dir als nächstes einen Glaubenssatz aus, mit dem du die nächsten Schritte durchführen willst. Ich würde empfehlen, einen Glaubenssatz erst zu Ende zu bearbeiten, bevor du mit einem neuen beginnst.
Mach dir klar, dass es keine Wahrheit gibt. Der Glaubenssatz ist irrational, d.h. logisch und empirisch nicht belegbar. Oder gibt es etwa Studien die belegen, dass faule Menschen wertlos sind? ^^
Jeder Mensch kann nur subjektiv für sich selbst entscheiden, ob er daran glaubt oder nicht.
// Beispiel
Meine Großeltern haben geglaubt, dass Fleiss wichtig ist. Für sie war es das auch, damit der Bauernhof gut lief, denn ohne Fleiss gab es kein Essen. Ohne Fleiss waren sie arm. Auch meine Eltern mussten fleissig sein, um aus der Armut herauszukommen und Geld zu sparen. Sie haben es so stark verinnerlicht, dass sie es ihren Kindern weitergegeben haben.
Nehmen wir aber einen Mönch. Denkt er, dass Fleiss wichtig ist? Für einen Mönch steht Meditation an erster Stelle und hat das etwas mit Fleiss zu tun? Nein. Vielleicht hat es etwas mit Disziplin zu tun, dran zu bleiben und nie aufzuhören, sich jeden Tag zu vertiefen. Allerdings wird dadurch nur das eigene Wohl und das Eliminieren von Leid verfolgt, nicht irgendwen zu beeindrucken, nicht einen Beruf zu erreichen oder viel Geld.
Meine Eltern würden die Lebensweise von Mönchen als faul bezeichnen und darüber lachen, dass sie den ganzen Tag „nichts“ tun. Daran sieht man gut, dass Faulheit für Menschen subjektiv ist und subjektiv beurteilt wird. //
So einen Text zu jedem Glaubenssatz aufzuschreiben hilft, Schritt 3 richtig zu verinnerlichen. Zu kapieren, dass die anderen mit ihren Meinungen nicht recht haben müssen!
Doch die Frage ist, was ist dein eigener Wertmaßstab, deine eigene Wahrheit?
Bevor ich den nächsten Schritt erkläre, hier ein kleiner Ausschnitt aus einer Therapiesitzung:
Ich: Bernhard und Bianca geben mir immer das Gefühl, dass ich eine faule Studentin bin, dass ich ja viel zu viele Ferien hätte und viel zu wenig Vorlesungen und Seminare.. Und wenn ich nach dem Studium erstmal eine Pause machen würde anstatt zu arbeiten, denken sie erst recht, dass ich faul bin! Und ich bin ja auch fauler als sie!
Therapeutin: Und was ist so schlimm daran, faul zu sein?
Ich: …………………….Ähh……………………….. Ich weiß nicht??
Dieses Gespräch hat mir zu denken gegeben. Und es war das erste mal, dass ich realisiert habe, dass ich Eigenschaften von mir schlecht finde und „verstecke“, weil andere sie schlecht finden.
Je mehr ich darüber nachdenke, desto unsinniger kommt es mir vor. Wieso müssen mich Bernhard und Bianca für fleissig halten?? Warum kann ich nicht fröhlich faul sein so viel ich will? Besonders wenn ich das „Faulsein“ eine Zeit lang wirklich brauche? Denn es ist nicht nur etwas Negatives, es ist auch die Seele baumeln lassen, Ruhe genießen, zu sich finden, Kraft auftanken.. Menschen, die nie „faul“ sein können, finden oft keine innere Ruhe und Zufriedenheit.
!!!
Durch die Frage „Was ist so schlimm daran, [beliebige Eigenschaft einfügen] zu sein?“ kannst du dir selbst einen Denkanstoß geben.
Halten dich andere für faul, einen Versager, geizig, bekloppt, verrückt, zickig, undiszipliniert, langweilig, unlustig, nicht spontan, zu dick, zu dünn, unsicher, schwach?
Und was wäre so schlimm daran, wenn du das wirklich wärst? Könntest du vielleicht doch damit leben, [beliebige Eigenschaft einfügen] zu sein und damit glücklich zu sein? Schließlich sind unsere Katzen auch faul, geizig, bekloppt, verrückt, zickig.. und trotzdem glücklich. Solange sie Fressen haben ^^ Und wir lieben sie über alles ^^
Wir sollten uns also fragen: Ist das wirklich mein Glaubenssatz, meine Meinung? Denke ich wirklich, dass jemand wertlos ist, wenn er faul ist? Oder habe ich das nur aufgeschnappt, von anderen übernommen? Und wie finde ich überhaupt heraus, ob ich einen Glaubenssatz beibehalten oder ändern will?
Mit den nächsten Schritten findest du das heraus.
Schritt 4 – Inwieweit tut mir dieser Glaubenssatz etwas Gutes?
Stell dir im vierten und fünften Schritt die Frage, welchen Einfluss der jeweilige Glaubenssatz auf dein Leben hat.
// Beispiel
- Eventuell könnte man denken, dass er mich dazu antreibt, gute Leistungen zu erzielen. Dass ich sehr gut im Studium war. Aber ehrlich gesagt, denke ich, dass ich auch ohne diesen Glaubenssatz Psychologie studiert hätte.. Ja… Ich hätte vielleicht nicht so gute Noten gehabt… Aber vielleicht wäre ich stattdessen glücklich gewesen.
- Ich denke nicht, dass ich diesen Glaubenssatz brauche, um einen Job auszuüben oder die Ausbildung zu machen. Ich denke eher, er hindert mich daran…. Da er mir Angst bringt, und diese Angst lähmend ist..
- Wenn ich fleissig bin, fühle ich mich faulen Menschen überlegen.. Denke, dass ich ein besserer Mensch bin als sie… Das heißt, der Glaubenssatz steigert ein klein wenig mein Selbstwertgefühl. Allerdings ist genau das ein falsches Selbstwertgefühl.. Indem man andere kleiner macht als man selbst ist, sich selbst erst dann besser fühlt, wenn andere „schlecht“ sind.. Das ist nicht richtig.. Und kein gesunder Selbstwert.
- Meine Familie ist stolz auf mich… Aber eigentlich.. sollte mir der Stolz meiner Familie scheiss egal sein. ICH sollte stolz auf mich sein können. Niemand sonst. Und ich bin nicht stolz auf mich wenn ich eine Arbeitsmaschine bin und nicht auf mich achte..
In meinem Fall tut mir der Glaubenssatz also absolut nichts Gutes. //
Schritt 5 – Inwieweit tut mir dieser Glaubenssatz etwas Schlechtes?
// Beispiel
- Er macht mich traurig, macht mir Druck. Druck, schnell wieder etwas zu tun, um nicht als faul zu gelten. Dabei sollte ich lieber etwas tun, weil ich Motivation und Lust dazu habe, weil ich etwas Neues erleben möchte, neue Erfahrungen und Menschen kennenlernen möchte.
- Er macht, dass ich meine freie Zeit nicht richtig genießen kann. Dass ich ein schlechtes Gewissen dabei habe und immer denke „bald muss das aufhören, in dieser Gesellschaft sollte man keine Pausen haben, sie werden schlecht angesehen und der Arbeitgeber wird mich deswegen nicht nehmen.“
- Er macht, dass ich mich als Mensch wertlos fühle. Ein Vogel muss nichts tun damit ich ihn wertvoll finde. Ich selbst muss fleissig sein, damit ich mich wertvoll fühle??
- Es hindert mich daran, auf meine Weise zu wachsen. Ich könnte diese Zeit so gut nutzen. Mit Meditation, diesen Texten und „Zielen“, mit Zeit ganz für mich alleine. Ab Januar mit Hilfe für Flüchtlinge oder sonstige freiwillige Arbeit, die mich weiterbringt, die mich an eine richtige Arbeit gewöhnt. Vielleicht könnte ich auf diese Weise sogar so sehr wachsen, dass ich bald für die Ausbildung bereit bin.
- Er bindet mich an meinen Großvater. Dieser hat mich stark negativ beeinflusst. Er hat seine verdammten Glaubenssätze erst an meine Mutter, dann an mich geheftet. Er liebte diesen dämlichen kleinen Lord und wollte mich genauso haben. Brav, hörig, höflich, fleissig, perfekt. Und er gab mir das Gefühl, dass ich kein bisschen liebenswert wäre, wenn ich nicht diese Eigenschaften an den Tag legen würde. Dabei habe ich nie verstanden, dass er niemals jemanden liebenswert finden würde.. Egal wie sehr die Person seine geliebten Eigenschaften erfüllte. Weil er nicht lieben kann. Weil er ein von Hass und Unzufriedenheit zerfressener Mensch ist. Wenn ich also an diesem Glaubenssatz festhalte, hat er es geschafft, mein Leben zu beeinflussen. Mein Innerstes zu beeinflussen.
Ich möchte mein eigenes Ich……… Nicht das von ihm geformte!!!!!!! //
Schritt 6 – Sollte ich den Glaubenssatz behalten?
Nachdem du die Vor- und Nachteile des Glaubenssatzes aufgeschrieben hast, wirst du wahrscheinlich ein Gefühl haben, ob der Glaubenssatz nützlich für dich ist, ob du ihn behalten willst oder nicht.
Entscheide nun, was deine Wahrheit ist.
Du darfst alles sein was du willst. Finde deine eigenen Regeln.
// Beispiel
Alle „Vorteile“ bringen mir im Prinzip nichts und sind falsche Vorteile.
Ich sollte den Glaubenssatz nicht behalten, da er sehr viele wichtige Nachteile mit sich bringt und selbst die Vorteile nur so tun als wären sie Vorteile… Er nützt mir also nichts! //
Schritt 7 – Argumente gegen den Glaubenssatz
Wenn du dich dazu entscheidest, den Glaubenssatz zu ändern, kannst du als nächstes Argumente aufschreiben, die dich dazu bringen, ihn zu glauben. Finde dann zu jedem Argument, so viele Gegenargumente wie möglich. Das hilft dir zu verstehen, dass der Glaubenssatz nicht wahr sein muss.
// Beispiel
- Argument: Mein Großvater hat faule Menschen nicht gemocht.
- Gegenargument: Er hat eh niemanden geliebt, hatte an jedem etwas auszusetzen und war ein hasserfüllter Mensch. Die Meinung von so jemandem sollte mir egal sein.
- Argument: Wenn ich fleissig und diszipliniert bin, bekomme ich Anerkennung, Bewunderung und Stolz von meiner Familie und von Freunden. Ansonsten sind sie enttäuscht und ich bin ein gescheiterter Mensch.
- Gegenargument: Was für ein Schwachsinn! Ich sollte eher darauf hinarbeiten, dass mir die Anerkennung und der Stolz meiner Familie egal ist, anstatt zu versuchen, sie stolz zu machen! Ich muss nur mich selbst stolz machen!!!! Ich bin nicht am Leben, um andere stolz zu machen!!!!! Und mir ihre Anerkennung zu „erarbeiten“!! Wenn sie enttäuscht von mir sind, soll mir das egal sein!
- Argument: A. ist so extrem fleissig, pünktlich und fehlt nie in der Arbeit. Sie gönnt sich nur wenig Pausen Zuhause und alle bewundern sie für ihren Fleiss.
- Gegenargument: Macht diese Bewunderung A. glücklich?? Nein. Sie ist sogar sehr unglücklich.
- Gegenargument: Sie hat selbst den Glaubenssatz „faule Menschen sind nicht liebenswert“ und denkt, sie müsste fleissig und pünktlich sein, um geliebt und anerkannt zu werden und etwas wert zu sein. Sie selbst hält sich für dumm und glaubt, nichts zu können. Das versucht sie mit Fleiss zu kompensieren. Nur deswegen ist sie so extrem fleissig und „perfekt“ in diesem Bereich.
- Argument: XY. ist genauso wie A.
- Gegenargument: Und wieso ist denn das erstrebenswert, so zu sein wie XY.? Ist er so glücklich durch seine Anerkennung oder führt er das Leben das ich will? Nein. Er ist eben ein völlig anderer Mensch, mit einem völlig anderen Leben und ich muss nicht so sein wie er.
- Argument: Faule Menschen sind selbst unzufrieden und ihre Faulheit bringt sie nicht weiter.
- Gegenargument: Das ist ein dummes Argument. Extremst faule Menschen sind vielleicht unzufrieden, weil sie ihr Leben nicht auf die Reihe kriegen und nicht das erreichen können, was sie eigentlich wollen. „Normal-faul“ sein hat keine schlimmen Konsequenzen! Als ob mein Leben jetzt den Bach runtergehen würde, wenn ich mir beispielsweise ein Jahr „Ruhezeit“ nehme.
- Argument: Die Gesellschaft und die Medien suggerieren ständig, dass aktive, fleissige Menschen, die Joggen, Arbeiten, mit Freunden weggehen (…), glücklicher sind und ein perfektes Leben haben. Faule Menschen sitzen nur auf dem Sofa, essen Chips und sind unglücklich.
- Gegenargument: Überleg doch mal, welche „sehr aktiven Menschen“ du kennst. DIE SIND NICHT GLÜCKLICH!! Und haben auch kein perfektes Leben! Das heißt, Fleiss geht nicht automatisch mit GLÜCK einher! Manche sind sogar so fleissig, dass sie nicht mehr damit aufhören können und an Burnout erkranken. (Ähem ähem.. Genau wie XY.) //
Schritt 8: Formuliere deinen neuen Glaubenssatz
Regel:
Ich darf faul sein, so oft ich will. Ich muss nicht so fleissig sein wie meine Familie, in der Arbeit fehlen ist auch nicht schlimm und mehrere Monate arbeitslos sein ist OKAY! Niemand schreibt mir mehr vor, dass ich eine Arbeitsmaschine sein soll! Auch nicht die Arbeitgeber! Wenn ich einen anderen Weg gehen möchte, gehe ich ihn!
Glaubenssatz:
Ich glaube nicht, dass ich die Lebensaufgabe habe, meine Familie oder sonst irgendwen stolz zu machen. Ich glaube nicht, dass ich fleissig und diszipliniert sein muss, um wertvoll zu sein. Ich muss gar nichts sein um wertvoll zu sein.
Ich pfeife auf ihren Stolz. Nur ich allein muss stolz auf mich sein. Und das bin ich dann, wenn ich auf mich und meine Gefühle achte, wenn ich „auf mich aufpasse“ und faul bin, wenn ich es nötig habe. Und wenn ich für sie eine Enttäuschung und ein gescheiterter Mensch bin, dann zeigt mir das nur, wie wenig sie mich verstehen, wie anders sie und ihre Einstellungen sind.
9. Wie man sich den neuen Glaubenssatz verinnerlicht
9.1. Such nach Beweisen für deinen neuen Glaubenssatz
Versuch, so viele „Beweise“ wie nur möglich zu finden, die deinen Glaubenssatz stützen.
// Beispiel
- Wir leben um glücklich zu sein, um das Leben zu genießen und nicht um andere glücklich oder stolz zu machen.
- Ein Vogel muss nichts tun damit ich ihn wertvoll finde. Ich selbst muss fleissig sein, damit ich mich wertvoll fühle? Das ist paradox.
- Ich habe – so wie jedes Lebewesen auf dieser Erde – einen Wert, der angeboren ist.
- M. hat mich, während ich auf dem Sessel lag und Fernsehen geschaut habe, angeschaut als wäre ich das Wertvollste und Schönste auf der Welt. Obwohl ich nichts getan habe. Ihm war es egal ob ich fleissig war. Für ihn war ich ein Vögelchen, das er geliebt hat und das ihn mit seiner alleinigen Existenz glücklich machen konnte.
- Ich selbst finde A. und XY. nicht wertvoller, nur weil sie fleissig sind. Ich schätze sie nicht mehr als andere Menschen. Im Gegenteil schätze ich J. viel mehr, der zwar nicht so fleissig ist, aber andere Eigenschaften hat, die mir tausend mal wichtiger sind. //
9.2. Wiederholung
So wie man sich neue Vokabeln nur durch Wiederholung einprägen kann, braucht man auch hier Wiederholung, um den neuen Glaubenssatz zu verinnerlichen.
Deinen neuen Glaubenssatz hast du dir wahrscheinlich irgendwo notiert? Lies ihn jeden Morgen und jeden Abend einmal durch. Wenn du möchtest, auch die Argumente-Gegenargumente-Liste und die „Beweise“ für deinen Glaubenssatz. Bis du merkst, dass du ihn wirklich glaubst und der „negative“, alte Glaubenssatz nicht mehr die Oberhand hat. Wenn du weißt was ich meine ^^
Außerdem kannst du an dieser Stelle auch Affirmationen nutzen. Zu erklären, was das ist und wie das geht, würde allerdings den Rahmen sprengen. Außerdem hab ich das selbst noch nicht ausprobiert und möchte erst darüber schreiben, wenn ich eigene Erfahrungen damit gemacht habe.
9.3. Artikel, Bücher, Filme, Videos
Wenn du noch mehr machen möchtest, um den neuen Glaubenssatz zu verfestigen, kannst du Artikel oder Bücher zu dem Thema lesen und/oder Videos/Filme schauen, die thematisch dazu passen.
In meinem Beispiel wären das Themen wie „die Seele baumeln lassen“, „Ruhe im Hier und Jetzt finden“, „Burnout“ oder „Folgen von Stress auf die psychische und physische Gesundheit“.
Vielleicht findest du so noch mehr Argumente für deinen neuen Glaubenssatz und kannst ihn dadurch besser verinnerlichen.
Wenn wir uns also klarmachen, was wir sein dürfen und wollen und was wir nicht sein wollen, dann wächst unser Selbstbewusstsein.. Wir wissen wer wir sind und andere können uns nicht mehr so schnell verunsichern.. Die Meinung anderer kann uns nicht mehr so schnell verunsichern. Jetzt weiß ich, dass ich Faulsein nicht nur ok finde, sondern sogar gut! Ich möchte es mir erlauben, faul zu sein. Ich möchte keine Arbeitsmaschine sein. Ich will ein Mensch sein, der individuelle Bedürfnisse hat und wenn ich öfters als meine Familie das Bedürfnis habe, nichts zu tun, dann ist das mehr als OKAY!
Huhu Ingrid!
Du hattest Dir Feedback gewünscht. Während ich noch leise in mich hinein kichere, weil ich die ganze Zeit daran denke, wie „Feedback“ so auf Facebook geht („Meinst Du nicht es gibt Schlimmeres?“ 😀 ), ist mir eine Sache besonders im Kopf hängen geblieben:
Ich hab mir deinen Artikel genau durch gelesen und ich finde ihn gut. Er hält viele Gedankenanstöße parat und für mich persönlich ist er nicht zu lang. Gerade weil alles, was Du schreibst, mich anspricht und interessant ist.
Was ist so schlimm daran […] zu sein? Ernsthaft! Sooo gut. GENAU das ist es.
Ich neige auch dazu, mein Verhalten und mein „Sein“ von anderen abhängig zu machen und Dinge schlecht (an mir) zu finden, die eigentlich gar nicht negativ sind. Sich zu fragen, was man selbst daran jetzt eigentlich schlimm findet und dann die Stimme im Kopf zu hören die leise flüstert „Nichts“. Das macht so viel mit einem.
Ich habe in der Vergangenheit selbst die Erfahrung gemacht, dass Selbstliebe und Selbsterkenntnis so wichtig sind und dass einen das „Umdenken“ echt nach vorne bringt. Dein Artikel bestärkt mich darin noch mal.
Danke <3
Heyyy, wie schön von dir zu hören!! Das ist soo ein schönes Feedback (hahaha wegen Facebook lache ich auch noch, wie doof), denn es zeigt, dass genau das rüberkommt, was ich zeigen, erklären wollte 🙂
Dein Satz „und dann die Stimme im Kopf zu hören die leise flüstert „Nichts“. „, der ist so schön und genau so war es bei mir auch.. Als ich mich gefragt habe, was ist denn so schlimm daran faul zu sein?? Kam dieses leise Stimmchen daher.. ^^
Vielen vielen Dank für deinen Kommentar!
Und erst jetzt merke ich dass du auch einen Blog hast! Da gehe ich mich jetzt mal austoben <3